Seit 2009 führt KinderStärken e.V. regelmäßige Kinder- und Jugendbeteiligungsprojekte mit der Stadtdedektiv-Methode durch. Kinder und Jugendliche erhalten hierbei die Gelegenheit, Vereinbarungen mit kommunalen Entscheidungsträgern zu treffen und ihre Meinungen und Eindrücke von Gegebenheiten der Stadt, aufzuzeigen.

2012 erhielt KinderStärken e.V. die Auszeichnung als Landessieger "Der ideale Ort" in einer Initiative des Örtlichen und außerdem den BKK-Sonderpreis für "Gute Praxis" im Rahmen des Kongresses "Armut und Gesundheit" in Berlin.


Der Anfang

In der Förderperiode 2009 wurde das Projekt JuMeS (Junge Menschen Stendals) durch den ESF gefördert. Dadurch konnte in Stendal ein Zukunftsbüro für junge Menschen eröffnen. Mit diesem Büro wurde eine ganz neue Form der Beteiligungskultur geschaffen.
Jugendliche wurden zu MultiplikatorInnen ausgebildet, erkundeten zunächst allein, dann als TeamleiterInnen für Jüngere ihr Wohnumfeld „Stadtsee“ und benannten Schätze und Probleme. Auf einer Konferenz im Dezember 2009 stellten sie mit unterschiedlichen, selbst gestalteten Dokumentationen dem Oberbürgermeister, dem Stadtrat und weiteren Verantwortungsträgern des kommunalen Lebens ihre
Ergebnisse vor. Im Anschluss daran wurden die Probleme und mögliche Lösungsansätze intensiv diskutiert und verschiedene Personen übernahmen Patenschaften zur Umsetzung.

Inhalt und Organisation

Mit einer Förderung 2010 wird es zwischen April und September möglich, die Ergebnisse des letzten Jahres zu vertiefen, nachhaltig zu sichern und angestoßenen Aktivitäten im Wohngebiet „Stadtsee“ in Zusammenarbeit von Jugendlichen und Projektpaten in die Umsetzung zu bringen.

Dazu gehören:
die Suche nach einer legalen Graffitiwand, eine Grünflächengestaltung im Wohngebiet „Stadtsee“, Hinwirken auf eine Gefahrenabwendung im Wohngebiet (alte Rohre über der Uchte, Nähe Tierpark).

Außerdem wird ein Kontakt zur ansässigen Polizei initiiert, um den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, von ihnen empfundenen Gefahren beim Überqueren der Stadtseeallee aufzuzeigen und an möglichen Lösungen mitzuwirken. Dies ist ein wichtiger Schritt und die Jugendbeteiligung in Stendal erreicht damit eine
neue Dimension. Die Jugendlichen erfahren, dass ihr Engagement, ihre Beteiligung in der Stadt gewünscht und ernst genommen wird. Das Projekt greift an dieser Stelle die im Vorjahr entstandene positive Energie der Jugendlichen auf und unterstützt das Erleben ihrer eigenen Selbstwirksamkeit.

Parallel dazu werden ab Juni wiederum 8 Jugendliche (zwischen 14 und 27 Jahren, beiderlei Geschlechtes und verschiedener sozialer und kultureller Herkunft) über Jugendeinrichtungen und Schulen gewonnen, die dann zwischen Juni und August gemeinsam ihr Wohnumfeld „Stadtsee“ erkunden und dabei Schätze, sowie Probleme benennen. Schwerpunktmäßig werden diese Erkundungen unter dem Thema „Armut“ stehen. Wie und an welchen Stellen beobachten und entdecken Jugendliche Armut in ihrem Stadtteil? Damit eröffnet sich ein Blick auf die Wahrnehmung der eigenen Lebenssituation der Jugendlichen. Durch die Teilnahme an der „Stadtsee- Erkundung“ und einen Methodenworkshop im Anschluss qualifizieren sich die Jugendlichen selbst
zu TeamleiterInnen, um die Aktion im Anschluss mit Jüngeren durchzuführen. Dafür erhalten sie eine geringe Aufwandsentschädigung. Die bereits im letzten Projektzeitraum qualifizierten TeamleiterInnen sind dabei wieder aktiv beteiligt, vertiefen ihre Kenntnisse und sind als Muliplikator/innen tätig. Zum Ende des Projektzeitraums, im September 2010, findet eine Konferenz statt. Hier werden die Jugendlichen den Verantwortungsträgern der Stadt Stendal ihre Ergebnisse vorstellen und gemeinsam mit ihnen Lösungen erarbeiten. An dieser Stelle wird dann auch die Umsetzung der Beschlüsse der Konferenz 2009 kritisch hinterfragt.


Erwartete Ziele

Das Projekt „Stadtdetektive“ hat die soziale Integration von benachteiligten Jugendlichen zum Ziel und eröffnet gleichzeitig Möglichkeiten zu beruflichen Orientierung. Durch Stadterkundungen, TeamleiterInnenqualifikationen und die Organisation einer Konferenz im Stadtrat, erleben Jugendliche Partizipation hautnah und erlangen einen Einblick basisdemokratische Prozesse. Das trägt zur Stärkung der
sozialen Kompetenzen und des Verantwortungsbewusstseins der Jugendlichen bei.

Durch das Projekt erwerben die Jugendlichen Kompetenzen zur Anleitung von Kinder- und Jugendgruppen und zur Planung und Durchführung von Projekten. Das Projekt richtet sich an Mädchen wie Jungen gleichermaßen. Es beinhaltet sowohl einen im Allgemeinen männerdominierten Bereich, den politischen Aspekt, wie auch die Arbeit mit Kindern als traditionellen frauendominierten Bereich. Somit ist sowohl für Jungen als auch für Mädchen eine ansprechende Perspektive enthalten und eröffnet beiden Geschlechtern einen neuen Zugang zum jeweils anderen Bereich. Die Jugendlichen erfahren, dass ihre Anliegen ernst genommen werden und erleben ihre Selbstwirksamkeit. Das Projekt bietet ihnen die Möglichkeit ihre Stadt und ihre Zukunft mitzugestalten. Außerdem lernen sie, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, eine wichtige Voraussetzung für den Einstieg in das Berufsleben. Das Projekt Stadtdetektive trägt über den Projektzeitraum hinaus nachhaltig zum Prozess der Partizipation von Jugendlichen sowie dem Auf- und Ausbau eines Netzwerkes zu diesem Zweck in der Stadt Stendal bei.

gefördert durch:   

Diese Maßnahme wird aus dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union gefördert.