Kontakt

Projektleitung

Susanne Borkowski

Projektkoordination

Johanna Kloss

Franziska Lutzmann

Stendal, (m)eine Stadt!

gefördert durch die Sparda-Bank

Durchführungszeitraum: 15. März-15. Juli 2012
Durchführungsort: Hansestadt Stendal


Projektbeschreibung

Das Projekt eröffnet für Kinder unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft Möglichkeiten, sich aktiv mit ihrem Lebensumfeld auseinander zu setzen und sensibilisiert für die Wahrnehmung unterschiedlicher Lebenslagen. Im Rahmen dieses Projektes führen die teilnehmenden Kinder Stadterkundungen unter dem Schwerpunkt „Kinderfreundlichkeit“ durch. Dabei dokumentieren sie, wo für sie Kinderfreundlichkeit bzw. auch Kinderunfreundlichkeit sichtbar werden und worin sie sich aus ihrer Sicht äußern. Darüber hinaus halten sie fest, worin aus ihrer Perspektive die Vor- und Nachteile eines Lebens in Stendal bestehen. Diese Ergebnisse werden mit unterschiedlichen kreativen Methoden wie bspw. Fotografie und Grafik dargestellt und zu Projektende mit politisch Verantwortlichen diskutiert. Die Projektteilnahme ermöglicht damit auch den Austausch zwischen Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft. Zu erleben, welche Facetten die Hansestadt Stendal hat und wie die jeweiligen Gruppen ihr soziales Umfeld erleben, trägt zur Förderung des Verständnisses unterschiedlicher und auch bislang unbekannter Perspektiven bei.

Zielgruppe
Das Projekt wendet sich an Kinder unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft im Grundschulalter, die ihren Lebensmittelpunkt in verschiedenen Stadtgebieten haben. (Altstadt, Stadtsee, Außenorte)

Das Projekt zielt auf:
- die aktive Auseinandersetzung der Kinder mit ihrem Wohnumfeld
- Förderung einer selbstbestimmten Lernkultur
- Förderung des Verständnisses für unterschiedliche soziale und kulturelle Lebenslagen
- Herstellen von Kontakten zwischen Kindern aus unterschiedlichem Wohnumfeld
- Förderung kreativer und kommunikativer Fähigkeiten
- Wahrnehmung der kindlichen Sicht auf die Hansestadt Stendal und das Thema „Kinderfreundlichkeit“ durch erwachsene Bezugspersonen

KooperationspartnerInnen
Grundschule am Stadtsee, Grundschule Pertrikirchhof, Grundschule Möringen, Hochschule Magdeburg-Stendal


Projektbericht - Einführung

Das Projekt eröffnete für Kinder unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft Möglichkeiten, sich aktiv mit ihrem Lebensumfeld auseinander zu setzen und sensibilisierte für die Wahrnehmung unterschiedlicher Lebenslagen. Zunächst fand an den drei teilnehmenden Grundschulen eine Workshopphase, bestehend aus je drei Terminen statt. Die Kinder setzten sich zunächst auf theoretischer Ebene mit dem Thema „Kinderfreundlichkeit“ auseinander. Im Anschluss daran erkundeten sie, ausgestattet mit Fotoapparaten, im Sinne der „Stadtdetektive“ eines bereits- erprobten Beteiligungsprojektes ihr Lebensumfeld unter diesem Blickwinkel. Dabei zogen die Kinder durch ihr Wohnumfeld, entdeckten Schätze und benannten Probleme, auf die sie dabei stießen. Dabei dokumentierten sie, wo für sie Kinderfreundlichkeit bzw. auch Kinderunfreundlichkeit sichtbar wurde und worin sie sich aus ihrer Sicht äußerten. Darüber hinaus hielten sie fest, worin aus ihrer Perspektive die Vor- und Nachteile eines Lebens in Stendal bestehen. Da die Kinder aus unterschiedlichen Stadtteilen kamen und die Erkundungsgänge auch dort durchführten, führten diese zu unterschiedlichen Ergebnissen, die im Anschluss in Präsentationen aufgearbeitet wurden. Eine Stadtdetektivekonferenz bildete den Abschluss des Projektes. Während dieser wurden zentrale Themen mit VerantwortungsträgerInnen der Stadt diskutiert. Die Projektteilnahme ermöglichte auch den Austausch zwischen Kindern unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft. Zu erleben, welche Facetten die Hansestadt Stendal hat und wie die jeweiligen Gruppen ihr soziales Umfeld erleben, trägt zur Förderung des Verständnisses unterschiedlicher und auch bislang unbekannter Perspektiven bei.

KooperationspartnerInnen

Grundschule „Am Stadtsee“, Grundschule Pertrikirchhof, Grundschule Möringen, Hochschule Magdeburg-Stendal

Projektförderung: Sparda Bank (5.000 Euro)


Projektbericht - Workshopphase Grundschule Petrikirchhof

Die Workshopphase fand an der Grundschule Petrikirchhof an den folgenden Terminen statt: 08.05.2012 Workshop Kinderfreundlichkeit, 15.05.2012 Stadtdetektiverkundung, 29.05.2012 und 12.06.2012 Erstellung der Ergebnispräsentation.

Die Kinder waren bei allen Terminen höchst engagiert dabei. Die offene Struktur und die verwendeten Methoden entsprachen den Interessen und Erfahrungen der SchülerInnen dieser Schule. Ihren Blick richteten sie besonders auf den Innenstadtbereich und die Grünanlage am Hartungswall. Ihr Lebensumfeld bewerteten sie insgesamt sehr positiv, fühlten sich nur durch Müll und Hundekot gestört. Besonders die Nähe zur Innenstadt, mit den Einkaufsmöglichkeiten, Cafés und der Bücherei benannten sie als kinderfreundlich.


Projektbericht- Workshopphase Grundschule "Am Stadtsee"

Die Workshopphase fand an der Grundschule „Am Stadtsee“ an den folgenden Terminen statt: 14.05.2012 Workshop Kinderfreundlichkeit, 15.05.2012 Stadtdetektiverkundung, 16.05.2012 Erstellung der Ergebnispräsentation.

Im Gegensatz zu den anderen beiden Schulen fanden die Workshoptermine hier nach dem Unterricht statt. Das erklärt zum Teil die Verringerung der Anzahl der TeilnehmerInnen. Die offene Struktur und der zeitliche Umfang erwiesen sich als problematisch. Der Anspruch des partizipativen Ansatzes und der Erhalt eines produktiven Arbeitsklimas standen zeitweise im Widerspruch. Für diese Gruppe hätte sich eine knappere Zeitplanung und kleinteiligere Aufgabenstellung besser geeignet. Ihre Erkundung fand im Bereich Stadtsee statt, wobei sie besonders Spielplätze und den Park um den See begingen. Die SchülerInnen beurteilten ihr Wohnumfeld größtenteils positiv, wiesen jedoch auf viel Zerstörung durch Müll, Vandalismus und Graffiti hin. Auffällig war hier besonders, dass sie sich viel Gedanken dazu machen, wie potentielle Besucher ihr Wohnumfeld wahrnehmen.


Projektbericht - Workshopphase Grundschule Möringen

Die Workshopphase fand an der Grundschule Möringen an den folgenden Terminen statt: 04.06.2012 Workshop Kinderfreundlichkeit, 05.06.2012 Stadtdetektiverkundung, 07.06.2012 Erstellung der Ergebnispräsentation.

Die SchülerInnen dieser Schule waren sehr interessiert an dem Projekt, zumal sich das Kinderleben im Dorf doch deutlich anders darstellt als in der Stadt. Trotz der großen Gruppe waren die meisten Kinder stets bei der Sache. Für diese Kinder stellte sich aktuell eine Reihe von kommunalen Problemen, die sie beschäftigten. Zum einen fällt auch die Gemeinde Insel in den Einzugsbereich der Schule, wo gerade eine Eskalation im Streit um die Unterbringung von zwei entlassenen Sexualstraftätern stattfand. Des Weiteren wurde auch der Bau der Autobahn thematisiert, der teilweise das Land von Familien der SchülerInnen betreffen wird. Und schließlich beschäftigte die SchülerInnen auch die Frage, ob ihre Schule mit einer solch geringen Schülerzahl weiter bestehen wird. Hier stießen wir mit der Methode der Stadtdetektive an eine Grenze, denn diese Themen waren zu komplex und kompliziert, um sie in diesem Rahmen zu bearbeiten. Die SchülerInnen hatten den Anspruch, das gesamte Dorf darzustellen. Es fielen viele positive Dinge auf, die bei den bisherigen Durchgängen in der Stadt nicht vorkamen, darunter Tiere, der Friedhof und offene Plätze. Negativ bemerkten sie verfallene Häuser, keine Einkaufsmöglichkeiten, keine Spielplätze und kein Zugang zum Schulhof und zum Kindergartengelände nach Betriebsschluss, kein Zugang zum Parkanlage des Gutshauses, die marode Bushaltestelle und die vergleichsweise geringen Graffitis.


Projektbericht - Arbeitstreffen aller Kinder

Am 26.06.2012 fand im Speisesaal der Grundschule „Am Stadtsee“ ein erstes Zusammentreffen aller beteiligten Kinder statt. Die einzelnen Schulgruppen sichteten noch einmal ihre Präsentationen und wählten die Themen, die ihnen am wichtigsten waren. Anschließend stellten sie sich gegenseitig ihre Präsentationen und Topthemen vor. Im Anschluss bildeten alle Kinder aus den Topthemen eine Rangfolge, nach der die Themen in der Konferenz bearbeitet werden sollten. Die Topthemen der Grundschule Möringen waren: „Ein Spielplatz statt kaputter Häuser“ und „Rasen für den geschotterten Fußballplatz“. Die Topthemen der Grundschule Petrikirchhof waren: „Umweltverschmutzung und Hundekot“ und „Müll in Mülleimer werfen“. Die Topthemen der Grundschule „Am Stadtsee“ waren: „Saubere Umwelt“ und „ Erneuerung des Spielplatzes am Schiff und eine neue Schaukel“. Nach einer Bündelung ergaben sich vier Themen in folgender Rangfolge: Spielplatz statt kaputter Häuser (Möringen), Umweltschutz, Spielplatzerneuerung/Schaukel (Stadtsee), Rasen statt Schotter (Möringen). Das Arbeitsklima war sehr produktiv und die SchülerInnen zeigten echtes Interesse an den Präsentationen der anderen Gruppen.

Für die Gruppenarbeit wären jedoch mehrere Räume besser gewesen, da es im Speisesaal sehr schwer wurde, sich zu verständigen.


Projektbericht - Stadtdetektivekonferenz in der Grundschule „Am Stadtsee“

Die Stadtdetektivekonferenz fand am 03.07.2012 von 09.15 bis 11.15 Uhr statt. Neben den Kindern und den Projektmitarbeiterinnen waren anwesend: Der Oberbürgermeister Klaus Schmotz, Klaus Ortmann von der Stadtverwaltung Stendal, Torsten Mehlkopf vom Amt für Jugend, Sport und Soziales, Silke Pidun vom Ordnungsamt, Jan Heinrichs vom Polizeirevier Stendal, die Direktorinnen der Grundschulen „Am Stadtsee“, Frau Kahrstedt, und Petrikirchhof, Frau Albrecht, die pädagogische Mitarbeiterin und die Sekretärin der Grundschule Möringen, Susanne Borkowski mit einer Gruppe von etwa 20 StudentInnen, sowie Filialleitern Peter Huckauf von der Sparda-Bank. Trotz Einladung und Zusage war keine Presse vertreten. Die Berichterstattung wird jedoch im Nachgang erfolgen.

Die Kinder trugen souverän ihre Präsentationen vor. Diese stießen auf großes Interesse seitens der VerantwortungsträgerInnen. Die anschließende Diskussion verlief sehr ergebnisreich und in angenehmer Atmosphäre. Die VerantwortungsträgerInnen zeigten eine hohe Bereitschaft, auf die Anliegen der Kinder einzugehen und hatten spontan eine Reihe von Lösungsvorschlägen parat. Diese wurden von den Kindern mit großer Begeisterung aufgenommen.
Es konnten Patenschaftsverträge über folgende Verbesserungsmaßnahmen abgeschlossen werden:

Herr Schmotz erklärte sich bereit, für eine neue Schaukel am Schiffspielplatz und Verbesserungen von Beschädigungen zu sorgen, sowie zu prüfen, ob die Bushaltestelle in Möringen verbessert oder erneuert werden kann. Herr Ortmann übernahm eine Patenschaft über die Prüfung einer Möglichkeit den Schotter auf dem Bolzplatz in Möringen durch Rasen zu ersetzen. Frau Pidun und Herr Heinrichs verpflichteten sich beide, verstärkte Kontrollen am Hartungswall durchzuführen, um die Probleme von Müll, Hundekot und Vandalismus anzugehen. Darüber hinaus versprach Herr Heinrichs, sich für vermehrte Geschwindigkeitskontrollen am Ortseingang von Möringen einzusetzen. Herr Mehlkopf verpflichtete sich, dafür zu sorgen, dass sowohl das Schul-, als auch das Kindergartengelände in Möringen den Kindern nach Betriebsschluss als Spielplatz zur Verfügung stehen.

              


Projektbericht - Reflexion und Ausblick

Im Rahmen des Projektes wurden folgende vorab formulierte Ziele erreicht:

  • die aktive Auseinandersetzung der Kinder mit ihrem Wohnumfeld
  • Förderung einer selbstbestimmten Lernkultur
  • Förderung des Verständnisses für unterschiedliche soziale und kulturelle Lebenslagen
  • Herstellen von Kontakten zwischen Kindern aus unterschiedlichem Wohnumfeld
  • Förderung kreativer und kommunikativer Fähigkeiten
  • Wahrnehmung der kindlichen Sicht auf die Hansestadt Stendal und das Thema „Kinderfreundlichkeit“ durch erwachsene Bezugspersonen

Die Methode der Stadtdetektive hat sich erneut bewährt. Erstmalig hat der Verein sie im dörflichen Umfeld durchgeführt, für das sie ebenso geeignet erscheint. Auch der neue Ansatz einer Vernetzung und eines Austausches zwischen verschiedenen Schulen erwies sich als bereichernd. Die Konferenz statt im Rathaus in einer der Schulen stattfinden zu lassen, erleichterte den Kindern, ihre Meinung zu äußern und sich mit den VerantwortungsträgerInnen auszutauschen. Alle Beteiligten haben das Projekt sehr positiv wahrgenommen. Es lässt sich in Stendal zunehmend eine Offenheit unter den VerantwortungsträgerInnen für das Thema Kinder- und Jugendpartizipation beobachten. Die Stadtdetektive sind zu einer Institution in der Stadt geworden.